Vin ist nicht zu stoppen

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      • "Fast & Furious"-Star Vin Diesel hat keine Angst vor dem Alter


      22. April 2017 11:44 Uhr
      "Fast & Furious"-StarVin Diesel – auch mit fast 50 nicht zu stoppen

      Der Schauspieler Vin Diesel wird bald 50. Was ihn und die Actionserie "Fast & Furious" aber nicht bremsen kann. Porträt eines Mannes, der ganz oben angekommen ist.
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      FullscreenDer achte Teil der "Fast & Furious"-Reihe mit Vin Diesel legte weltweit einen Rekordstart hin
      ©George Kraychyk/AP
      Fünfzig. Das ist so ein Alter, bei dem gestandene Männer nervös werden. Stecke ich mit der richtigen Frau zusammen im richtigen Leben? Fühlt sich meine Familie, mein Freundeskreis komplett an? Habe ich beruflich alles erreicht, was drin ist? Wenn man Vin Diesel dezent darauf hinweist, dass er in einigen Wochen 50 wird, lehnt er sich weit nach vorn über den Tisch, fixiert sein Gegenüber mit seinen kleinen, sehr braunen Augen und schmunzelt: "Ehrlich: Ich bin so aufgeregt. Ich kann dann sagen: Ich bin ein halbes Jahrhundert alt. Wie cool klingt das denn!“
      Diesel hat allen Grund zur Gelassenheit. Seine Filme spielen Milliarden ein, auf seiner persönlichen Facebook-Seite hat er die Marke geknackt von 100 Millionen Likes, als erster Schauspieler überhaupt. Und er hat die Rolle seines Lebens perfektioniert: die des Draufgängers mit aufgepumptem Oberkörper. Des charismatischen Anführers, der seine Kameraden nie im Stich lässt und mit Feuer waffen genauso geschickt jongliert wie mit Frauen.



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      Bei "Fast & Furious 8" qualmen wieder die Reifen

      Durch Figuren wie den Außenseiter Riddick ("Pitch Black“) und den Spezialagenten Xander Cage in den "xXx“-Filmen wurde er bekannt; der Streetracer und Exknacki Dominic Toretto machte ihn schließlich in dem unaufhaltbarem Phänomen "The Fast and the Furious“ zum Großverdiener und Fanliebling. Wie kein Zweiter verkörpert Diesel eine Form des Actionkinos, die manchmal prollig anmutet und sehr breitbeinig, trotzdem immer herzenswarm bleibt und ohne Scheu vor Kitsch und Rührseligkeiten.
      Vin Diesel: "Ich habe zwanzig Jahre lang nicht wenige Rollen bekommen, sondern gar keine"
      Dabei wirkte seine Karriere beim Film zuerst wie ein Totalschaden und verlief alles andere als flink und furios. Geboren in Kalifornien, aufgewachsen in New York mit einer Astrologin als Mutter und einem Theatermanager als Erzieher, trat er schon als Siebenjähriger vor Publikum auf und leckte Bühnenblut. Doch dann passierte: nichts mehr. "Ich habe zwanzig Jahre lang nicht wenige Rollen bekommen, sondern gar keine“ , erinnert er sich und zuckt mit den breiten Schultern. Den besten Rat in dieser schwierigen Zeit bekam er von einem waschechten Hollywoodstar. Als Statist bei einem Dreh schlich sich Diesel an Harrison Ford heran und fragte ihn nach dem Geheimnis des Erfolgs. Fords Antwort: Er sei mit einer Gruppe von Freunden nach Kalifornien gezogen, und drei Jahre später gingen zwei von ihnen wieder zurück. Weitere drei Jahre später kehrten die nächsten zwei heim und so weiter. Er dagegen ging einfach nicht weg. "Die Lektion für mich lautete also: "'Geduld. Und Beharrlichkeit'.“
      Um dennoch über die Runden zu kommen – und umsonst in den angesagten Nachtclubs zu tanzen –, heuerte er als Türsteher an, und seine Transformation begann. Aus einem normal gebauten, freundlich blickenden Mann namens Marc Sinclair wurde Vin, abgeleitet vom Familiennamen seines Stiefvaters Irving Vincent. Haare ab, Muckis drauf. "Als Schauspieler machst du dir keine großen Gedanken über deine Physis. Als Türsteher musst du präsent sein, fit. Work-out ist da Pflicht. Dass das so in meine Rollen hineinstrahlen würde, war mir damals nicht klar.“


      PREMIERE "THE LAST WITCH HUNTER"
      Vin Diesel auf Hexenjagd in New York
      Video (1:54 Min.)

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      Dass er mimisch auch anders könnte, durfte er bislang kaum beweisen. Selbst Regisseure wie Ang Lee ("Die irre Heldentour des Billy Lynn“) oder Steven Spielberg ("Der Soldat James Ryan“) besetzten ihn entweder als willensstarken Militär oder wie Sidney Lumet in "Find Me Guilty“ als Mafioso, der sich vor Gericht eloquent selbst verteidigt. Was auch an seinem Markenzeichen liegen mag: einer Stimme, so tiefergelegt, dass sie wie eine Bassbox die Leinwand vibrieren lässt und bei der nicht nur Frauen weiche Knie bekommen. "Sting hat mir mal ein schönes Kompliment gemacht“, sagt Diesel: "Er mag meine Filme, aber noch mehr mag er, wenn ich singe.“ In letzter Zeit sei er des Öfteren von Musikern ins Studio eingeladen worden, berichtet er dann noch, und wie stolz es ihn mache, wenn sie seine Stimme nutzen wie ein Instrument: "Dabei klinge ich oft eher wie eine sterbende Kuh.“
      Vin Diesel: "Dabei klinge ich oft eher wie eine sterbende Kuh"
      Dabei würde man ihm, inzwischen dreifacher Familienvater und seit zehn Jahren mit einem mexikanischen Model zusammen, zur Abwechslung auch mal andere Figuren wünschen – leisere, sanftere. Denn als Schauspieler hat er die Fähigkeit, mit wenig Mimik und Gestik viel zu erzählen. Eine Kunst, die auch Keanu Reeves und Bruce Willis beherrschen. "Danke für das Kompliment“, sagt Diesel artig: "Marlon Brando soll mal gesagt haben, das Großartige an unserem Beruf sei, wenn sie Action rufen, musst du im Prinzip gar nichts tun.“
      Man würde jetzt gern noch weiter plaudern mit ihm. Kalauern, ob er nach dem Skandal um gefälschte Abgaswerte bei VW mal über eine Namensänderung nachgedacht hat. Ob er es befürworte, dass zwei Berliner Raser nach einem illegalen Rennen über den Ku’damm, bei dem ein Unbeteiligter getötet wurde, gerade zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden sind. Doch Diesel muss weitereilen. Nebenan im Berliner Sony Center wartet der rote Teppich für seine Europa-Premiere. Nebenan schreien Fans schon seit Stunden nach ihm. Weil er die Jungsträume versteht von coolen Schlitten und heißen Bräuten. Und den Wunsch aller nach einem Freundeskreis, der sich wie Familie anfühlt, der echt ist und nicht nur aus virtuellen Likes besteht.
      Also setzt Vin Diesel wieder seine Sonnenbrille auf, schüttelt die Hand und grinst quer über seine Bowlingkugel. Er fühlt sich ausgezeichnet gerade. Mit neunundvierzig.

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